Die Stadtteilbibliothek Würzburg-Hubland

04 Jun 2019

Die Stadtteilbibliothek Würzburg-Hubland ist eine neue Niederlassung der Stadtbücherei Würzburg, die auf einem ehemaligen Stützpunkt der US-Armee im Hubland gegründet wurde. Diese wunderbar unerwartete Kombination aus ehemaliger Militärbasis und Bibliothek wurde zu einem integrativen Ort, der ein Erlebnis bietet, das die Geschichte der Region in neuem Gewand wiederaufleben lässt.

ETWAS ALTES, ETWAS NEUES, ETWAS GEBORGTES, ETWAS WAHRES

Die Herausforderung bestand darin, die Bibliothek von Anfang an als integralen Bestandteil der Nachbarschaft zu gestalten. Die nahtlose Integration einer vollkommen neuartigen Bibliothek in einen historischen Ort erforderte eine sorgfältige Berücksichtigung der Stadtgesellschaft. Durch die menschenzentrierte Methode des Design Thinking führten intensive Workshops zu dem ganz eigenen Konzept der Bibliothek: “Für die Nutzer, von den Nutzern”. Die Ergebnisse des von Julia Bergmann entworfenen Design Thinking Prozesses sorgten für eine optimale Anpassung an die Würzburger Stadtgesellschaft.

Das Wort „Geschichte“ hat im Deutschen eine Doppelbedeutung inne, einmal im Sinne von “Historie” und darüber hinaus im Sinne von “Erzählung”. Das Ziel war es, die Gemeinschaft mit der Geschichte dieses Ortes in Kontakt zu bringen und sie gleichzeitig zu befähigen, ihre eigene, neue Geschichte zu erzählen. Auf einem Hügel bei Würzburg gelegen, ermöglichte die Höhe des Hublandes die Durchführung von Flugexperimenten. Heißluftballons, Zeppeline und Flugzeuge flogen alle vom Hubland aus; es gab sogar eine Flugschule. Die Deutsche Luftwaffe baute während des Zweiten Weltkriegs einen kleinen Luftwaffenstützpunkt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie jedoch zu einer Militärbasis für die US-Armee, die damals Leighton Barracks hieß. Als Teil des Army & Air Force Exchange Service, der das Gebiet modernisierte, wurde es 1988 auch zur Heimat des größten amerikanischen Einkaufszentrums in Europa, einem wichtigen regionalen Einkaufszentrum für Ostdeutschland. Erst 2008 wurde die Basis wieder unter deutsche Kontrolle zurückgeführt.

Das ziel war, die gemeinschaft mit der geschichte dieses ortes in kontakt zu bringen und sie gleichzeitig zu befähigen, ihre eigene, neue geschichte zu erzählen.

Aat Vos Aat Vos Creative Guide

Von den grausamen Zeiten des Krieges über den neu aufblühenden Kapitalismus bis hin zu seiner Wiederentdeckung hat das Hubland so einiges mitgemacht. Mit augenzwinkernden Anspielungen auf seine frühere Geschichte ist die neue Bibliothek von der Vergangenheit der gesamten Region inspiriert. Spielerische Designelemente erinnern an die US-Armee und die Geschichte des Hublandes als Flugplatz. Drei auffällige „Specials“ sind: eine Kaffeebar in Gestalt eines Fluggepäckwagens im Erdgeschoss, der als zentraler Treffpunkt konzipiert ist, ein lebensgroßer Heißluftballon, in dem sich Kinder zurückziehen können, und ein echtes Stück Maßarbeit…. eine massive UFO-Konstruktion für Gruppensitzungen im Untergeschoss. Die Stadtteilbibliothek Hubland bietet auch verschiedene Spiel- und Aufführungsflächen, eine Cafézone, einen riesigen Lesetisch, kleinere Lese-/Entspannungs-Kokons, einen Arbeits- und Makerspace, einen Raum für Kinder zum Klettern und Spielen, eine Küche für Eltern (bspw. zum Aufwärmen der Milchflasche ihres Babys) und vieles mehr. Wie eine richtige Landschaft bietet das Interieur verschiedene Orte zum Verweilen, Entspannen und Entdecken. Es ist dynamisch in Höhe, Tiefe und Form angelegt, so dass es aussieht, als wäre es im Laufe der Zeit natürlich entstanden.

BEREIT ZUM ABHEBEN

Die Stadtteilbiblothek Hubland basiert auf dem Konzept der Offenen Bibliothek, was bedeutet, dass die Bibliothek auch außerhalb der Mitarbeiterzeiten zugänglich ist; jeder Besucher mit einem Bibliotheksausweis hat zwischen 7 und 22 Uhr Zugang zur Bibliothek. Anja Flicker, Leiterin der Stadtbücherei Würzburg, erklärt: „Zeitgemäße Bibliotheksarbeit rückt die Lebensrealitäten der Menschen in den Mittelpunkt. Als Beispiel: Wir haben von lokalen Jugendlichen gelernt, dass sie in Ruhe mit Gleichaltrigen entspannen wollen und nicht, wie wir ursprünglich annahmen, in lauten und geschäftigen Aktionsflächen. Diese Erkenntnis führte dazu, dass wir das Untergeschoss mit einem separaten Gaming-Bereich, kokonartigen Sitzgelegenheiten zum Entspannen und einer innovativen UFO-Konstruktion ausstatteten, um sowohl Rückzugs-als auch Entdeckungsmöglichkeiten zu bieten. Durch die enge Einbindung der Bewohner in den Entwicklungsprozess entsteht ein Gefühl des Stolzes auf das eigene Engagement, das den Enthusiasmus der Community steigert. Wir möchten, dass sich jeder hier wie zu Hause fühlt.“
Historisch verwurzelt und doch modern und zukunftsgewandt, ist die Stadtteilbibliothek Hubland heute ein integrativer Dritter Ort, der bereit ist, in eine rosige Zukunft abzuheben.

Durch die enge Einbindung der Bewohner in den Entwicklungsprozess entsteht ein Gefühl des Stolzes auf das eigene Engagement, das den Enthusiasmus der Community steigert.

Anja Flicker Anja Flicker Director Stadtbücherei Würzburg

Projekt details Würzburg-Hubland

Die Stadtteilbibliothek Würzburg-Hubland (Stadtbücherei Würzburg) ist eine Gemeinschaftsproduktion von Aat Vos (Designkonzept, Strategie, Art Direction) und dossler.design – Klaus Dossler (Technische Umsetzung) in Zusammenarbeit mit FacilitylinQ (Der Anbieter für freistehende, innovative und moderne Möbel), Art-Army AS Oslo (Claude Wittwen, Bühnenmalerei und Dekoration), Julia Bergmann Training & Consulting (Design Thinking), Schmiede Neunzehn (Georg Weidauer, Metallkünstler, UFO, Kaffeebar, Metallobjekte), Polsterwunsch Meisterwerkstatt (Janina Schraud, Polstermöbel, Heißluftballon, Vorhänge, Stoffbezüge, Raumteiler), KAPUZE Grafikdesign (Christoph Ulherr, Wandgestaltung) und Bibliotheca (“Open Library”-Konzept, SelfCheck 500 und open+ System).