Das Datenlabor von Stavanger

27 Mai 2019

Das Projekt „The Data Lab“ in der Universitätsbibliothek Stavanger wurde mit seinem außergewöhnlichen und eigenwilligen Interieur nicht nur entwickelt, um als Ort zu dienen, an dem man Datenmanagement lernen kann. Es sollte darüber hinaus der bedeutendste Treffpunkt und Studienort in der Umgebung werden, der Kreativität, Neugierde und Innovation weckt.

Ein Ort, der auf Studenten ausgelegt ist

Stavanger ist eine lebendige Studentenstadt in Norwegen und beherbergt zahlreiche Bildungseinrichtungen sowie ein Forschungszentrum. Die Universität Stavanger (UiS) stellt ihren Studierenden einen Campus zur Verfügung, der gleichzeitig als „Zuhause fernab von zu Hause“ dienen soll – aufgrund der langen Reisestrecken innerhalb von Norwegen und der Studentenpolitik der Universität, die auf ein angenehmes Bildungsumfeld abzielt. Die kürzlich erfolgte Eröffnung eines Campus-Hotels ist ein zentrales Element dieser Zielsetzung. Besonderheit: Dieses gemeinnützige Hotel war eine Spende eines ehemaligen Studenten und 100% der Einnahmen des Hotels gehen an die UiS. Ein weiterer Indikator für Innovation ist die Umwandlung der Universitätsbibliothek in einen Ort, der insbesondere auf die Studenten selbst ausgelegt ist – und nicht nur auf das Angebot von Büchern allein. Im Laufe der Jahre hat die “UniLib“ mit verschiedenen Lernumgebungen experimentiert, wie z.B. dem Study Lab, einem von der Natur inspirierten “Vogelraum“ zum Lernen. Es herrscht eine konstante Nachfrage nach dieser neuen Art von Studienräumen. Seit der Entwicklung der Universitätsbibliothek in Richtung Digitalisierung und Datenmanagement brauchte sie einen Raum, der das Gruppenstudium in verschiedenen Formen und Ausmaßen ermöglicht – ein Workshopraum und Veranstaltungsort in einem. Außerdem sollte der Raum nicht nur so einladend sein, dass die Menschen gerne ihre Zeit dort verbringen, sondern auch eine angenehme Umgebung zur Entwicklung neuer Ideen zur Verfügung haben. Dieser Raum sollte offen sein für Mitarbeiter, Studenten und Anwohner gleichermaßen.

Um einen Raum zu schaffen, in dem die Menschen gerne ihre Zeit verbringen, müssen wir ein maßgeschneidertes Nutzererlebnis erschaffen.

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Untersuchung von Expertentheorien

Wir untersuchten zwei Theorien, um die Strategie und das Designkonzept für The Data Lab zu entwickeln. Erstens, so Sir Ken Robinson, ein Referent und Autor, der umfangreiche Untersuchungen über die Auswirkungen von Bildungsumgebungen auf die Effektivität von Bildungsmaßnahmen durchgeführt hat, darf die Rolle des Kontexts nie unterschätzt werden. Oder in seinen eigenen Worten: „Wenn Sie ein Bildungssystem betreiben, das auf Standardisierung und Konformität basiert und Individualität, Phantasie und Kreativität unterdrückt, wundern Sie sich nicht, wenn es genau das auch tut.“ Um den Schülern dabei zu helfen, die besten Ergebnisse zu erzielen, ist das Aussehen des Raumes wichtig, enorm wichtig. Er sollte kreativ, individuell und einzigartig sein.

Zweitens, so der Autor Joe Pine („The Experience Economy“), verändert sich die Wahrnehmung von Zeit mit dem jeweiligen wirtschaftlichen Wert, der ihr zugeordnet wird. Wie er in einem seiner letzten Vorträge in Amsterdam und hier feststellte, besteht der Hauptunterschied zwischen der Zeitwahrnehmung einer Dienstleistung und der Zeitwahrnehmung einer Erfahrung darin, dass ein Dienst Zeit spart – während eine Erfahrung als gut verbrachte Zeit betrachtet wird. Um einen Raum zu schaffen, in dem die Menschen gerne Zeit verbringen, müssen wir daher eine Erfahrung, ein maßgeschneidertes Nutzererlebnis schaffen.

Ein Innovationsspielplatz

Kens und Joes mentale Wellenlängen sind also ganz offensichtlich durchaus kompatibel und in der Lage, sich gegenseitig zu inspirieren. Um diesen maßgeschneiderten „Erlebnis-Gruppenstudienraum“ für die UiS zu schaffen, haben wir uns direkt in den lokalen Kontext begeben. Wir verbrachten eine Woche in Stavanger; wir gingen mit den Menschen spazieren und sprachen mit ihnen, besuchten lokale Hotspots, tauchten in das kulturelle Erbe der Stadt ein, lernten die UiS-Fakultäten kennen und sammelten zusammen mit dem Team der UiS-Bibliothek alle möglichen Inspirationen für den Raum. The Data Lab (+/- 200 m2) wurde zu einer hybriden Laborlandschaft mit mehreren Tiefwasser-Tauchkammern, einem ausgefallenen viktorianischen (Mind-)Control-Raum, verschiedenen Gruppenstudienmöglichkeiten und Präsentationsbereichen  ausgebaut – designtechnisch ergänzt um merkwürdige Kreaturen in Aquarien. Die beispiellose Innenarchitektur dieses „geheimen Raumes“ – realisiert von den Handwerkern von Artisan Tech – inspiriert zur Erforschung neuer Welten. Man ist sich nie ganz sicher, was das Geheimnis hinter dem Raum ist, oder welche Kreationen dieses Labor hervorbringen könnte – und genau das ist die Idee.

Project credits

The Data Lab ist eine Gemeinschaftsentwicklung von aatvos (Designkonzept, Strategie, Kreativdirektion) & Artisan Tech – Damian Williams & Team (Entwicklung & Produktion).