Haus der Geschichte – Bonn

14 Jun 2019

Das renommierte deutsche Museum „Haus der Geschichte“ in Bonn feiert seinen 25. Geburtstag. Dieses Quarter-Life-Jubiläum bietet die Gelegenheit, die Gestaltung des Informationszentrums des Museums neu zu denken. Das Ergebnis ist eine moderne Lounge im Zeichen der Digitalisierung, die die Besucher dazu einlädt, die deutsche Geschichte zu erforschen, anderen Menschen zu begegnen und ihre Freizeit auf sinnvolle und angenehme Art und Weise zu verbringen.

Alte Traditionen, neue Bedürfnisse

Im Haus der Geschichte wird die deutsche Geschichte vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Gegenwart erzählt – mittels Ausstellungen, Veranstaltungen, Online-Projekten und Publikationen. Die Hauptniederlassung befindet sich in Bonn, der ehemaligen Bundeshauptstadt und einst von den Alliierten eroberten Provinzstadt. Es ist eines der vier Museen, die zur „Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“ gehören.
Vor fünfundzwanzig Jahren eröffnete das Museum die Dauerausstellung „Unsere Geschichte. Deutschland seit 1945“, die über 7.000 Objekte ausstellt, welche die deutsche Zeitgeschichte von 1945 bis zur Gegenwart skizzieren. Außerdem organisiert das Haus jährlich vier Sonderausstellungen. All dies erfordert ein gut organisiertes Informationszentrum. Das vormalige Informationszentrum hatte eine neutrale Innenarchitektur, die die institutionelle Rolle des Museums betonte. Inzwischen haben sich im Laufe der Zeit und der Geschichte auch die Bedürfnisse der jüngeren Besucherinnen und Besucher weiterentwickelt. Die junge Generation verarbeitet heutzutage mehr Informationen denn je zuvor, was zu einem erhöhten Risiko von „Aufmerksamkeitsmüdigkeit“ führt. Orte, an denen man sich niederlassen, sich entspannen und verweilen kann, können hier Abhilfe schaffen. Doch das Haus der Geschichte wollte anlässlich seines fünfundzwanzigjährigen Bestehens weit mehr als nur ein paar zusätzliche Sitzgelegenheiten schaffen.

Die Verschmelzung mit der bestehenden Architektur

Die Aufgabe bestand darin, die Qualität des Aufenthalts im Informationszentrum durch die Maximierung sinnvoll genutzter Zeit zu erhöhen, um die Fläche einladender zu gestalten – primär mittels einer Lounge, in der die Menschen die enorme Informationsvielfalt, die das Museum bietet, auf unkonventionelle Art und Weise erleben und verarbeiten können. Ein informeller Raum kann Innovation fördern, da er die Barrieren zwischen den Menschen reduziert und eine Umgebung schafft, in der sich Menschen vermehrt unter die Leute mischen, Zeit miteinander verbringen, miteinander plaudern und Ideen austauschen können. Die größte Herausforderung bestand darin, die Lounge – den offiziellen neuen Namen des Informationszentrums – so zu integrieren, dass sie sich nahtlos in die bestehende Architektur einfügt. Außerdem musste der Erlebniswert der Lounge mehr dem des Museums entsprechen, ohne faktisch Teil des Museums zu werden, da dies zu einer ungewollten Vermengung führen würde. Anstatt ein vollständiges (und vollständig neues) Nutzererlebnis zu schaffen, mussten wir das Konzept um eine neue Interpretation eines bestehenden Raums erweitern. Diese Interpretation musste sich auf eine bestehende Funktionalität beziehen und gleichzeitig die Einheit des Ganzen wahren.

Ein informeller Raum kann Innovation fördern, da er die Barrieren zwischen den Menschen reduziert und eine Umgebung schafft, in der sich Menschen vermehrt unter die Leute mischen, Zeit miteinander verbringen, miteinander plaudern und Ideen austauschen können.

Aat Vos Aat Vos Creative Guide

Die Dynamik des Kreises

Um die Anforderungen an die Lounge besser zu verstehen, reisten wir nach Bonn und lebten und arbeiteten eine Woche lang direkt am Projektstandort, während wir in einer Reihe intensiver Live-Workshops zusammen mit dem Präsidenten und den Mitarbeitern der Einrichtung unseren Designprozess durchführten. Im Zuge dessen haben wir ein Design geschaffen, das perfekt auf das Haus der Geschichte abgestimmt ist – nicht nur auf unsere persönlichen Anforderungen. Wir brachen mit der neutralen Form und fügten dem ziemlich strengen Farbschema der Ursprungsstruktur die Farbe Gelb in Kombination mit nuancierten Texturen hinzu. Während das Farbspektrum dadurch leuchtender wurde, wurde die grundlegende Neutralität im Hinblick auf die Form beibehalten, indem wir eine Form wählten, die das Potential hat, Menschen miteinander zu verbinden: den Kreis. In diesem Fall ermöglichte die Integration einer Kreisstruktur, dass Elemente der Lounge auch im Freien verwendet werden können.

Durch die Realisierung der Lounge konnten wir dem öffentlichen Bereich des Museums eine weitere informelle Ebene hinzufügen. Auf der architektonisch integrierten Bühne in der Lounge können Zeitzeugen interviewt werden oder Autoren ihre Bücher präsentieren. Die Besucher können auf einem der bequemen Sofas Platz nehmen, um Zeitschriften, Zeitungen und Bücher zur deutschen Zeitgeschichte zu studieren. Für ein zeitgemäßeres Geschichtserlebnis können geschichtsinteressierte Besucher außerdem Sonic Chairs und Tablets mit digitalem Informationsangebot für Geschichtsbegeisterte nutzen. Um die turbulente deutsche Geschichte in ihrer Gesamtheit auf eine ansprechende und moderne Art und Weise zu würdigen, hat das Haus der Geschichte seinen Besuchern mit diesem Designprojekt ein einzigartiges Jubiläumsgeschenk gemacht.

Projektinfos

Die „Haus der Geschichte“-Lounge ist eine Ko-Kreation von Aat Vos (Design, Strategie, Kreativdirektion) und FRANKE Architektur | Innenarchitektur (Design & Technische Umsetzung).

Fotografie: Jürgen Ritterbach and Stiftung Haus der Geschichte/ Axel Thünker & Maike Bossler