DIE SCHMETTERLINGSPRINZIPIEN BEIM DESIGN DRITTER ORTE

Third Places 09 Okt 2018

Wie kommt es, dass einige öffentliche Orte gleich nach ihrer Fertigstellung florieren, während andere schwächeln? Seit fast drei Jahrzehnten stehe ich im Scheinwerferlicht der Gestaltung öffentlicher Räume und habe sowohl große Erfolge als auch einige große Enttäuschungen erlebt. All das führte mich immer wieder zurück zu der Frage: Was macht Dritte Orte zu einem Erfolg? Es gibt zehn Prinzipien, die Ihnen dabei helfen sollen, die Antwort darauf zu verstehen.

LERNEN VON 3RD4ALL

Ich muss zugeben, manchmal war ich derjenige, der dafür verantwortlich war, wenn ein Ort nicht wie erwartet funktionierte. Vielleicht war es einfach nicht mein Moment. Aber es steckt sehr wahrscheinlich mehr dahinter als ein Architekt, der hinter den Erwartungen zurückbleibt, wenn öffentliche Orte nicht wie erwartet performen.
Etwas sagte mir, dass es bei der Schaffung dieser Orte nicht nur darum ging, Einrichtungen für Aktivitäten zu schaffen. Ich begann, darauf zu achten, welche Bedingungen bei erfolgreichen Projekten erfüllt werden; ich hörte den verschiedenen Beteiligten aktiv zu. Ich habe das Wissen, das ich beim Verfassen des Buches 3RD4ALL How To Create a Relevant Public Space gewonnen habe, in ein kohärentes Modell umgesetzt.. Mit diesem Modell habe ich versucht, den mit meiner Arbeit verbundenen Prozess zu vereinfachen und die kritischen Bedingungen für die Schaffung eines gesunden öffentlichen Ortes darzulegen.

Zuerst ein paar Hintergrundinformationen. Wie bereits erwähnt, bin ich davon überzeugt, dass die Architektur Teil eines größeren Ökosystems namens Marke ist, und demnach sollte die Architektur entsprechend der Regeln des Brandings agieren. Marken basieren auf Werten und sowohl auf materiellen als auch ideellen Elementen. Und natürlich richtet sich jede Marke auch an den Regeln und Bedürfnissen ihrer Kunden aus. Sie wird dies im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten ihrer Organisation tun – die wiederum jeweils an ihren spezifischen Kontext gebunden ist. Wenn alles ideal verläuft, sind alle in diesem Zuge notwendigen, unterschiedlichen Aktivitäten wohlkoordiniert, so dass am Ende alles prima funktioniert und alle Interessenanlieger zufrieden sind.

WAS LÄSST EINEN SCHMETTERLING FLIEGEN?

Seine Flügel, natürlich. Stellen Sie sich einen gesunden öffentlichen Ort als Schmetterling vor, der glücklich umherflattert. Um abheben zu können, müssen seine Flügel den Körper gleichermaßen mit Herz und Seele in Bewegung setzen. Es gibt hier drei Faktoren: materielle und immaterielle Aspekte, die sich jeweils um das „Warum“ anordnen. Die Flügel stehen für die materiellen und immateriellen Elemente. Der Körper ist der ideelle Glaubensinhalt, die zugrundeliegende Geschichte sowie die sichtbare Marke.

Die entscheidenden Zutaten für die Schaffung eines zukunftsfähigen öffentlichen Ortes sind Menschen, Raum, Erleben und Produkt / Programm. Die ersten beiden konzentrieren sich auf Aspekte, die die Bildung der Seele eines Ortes vorbereiten, während sich die letzten beiden auf spezifische Aspekte konzentrieren, die auf der Definition der Seele basieren.

DIE SCHMETTERLINGSPRINZIPIEN

Die Schmetterlingsprinzipien lassen sich am besten durch 10 Fragen veranschaulichen. Die Beantwortung dieser Fragen schafft eine solide gemeinsame Basis für den Designprozess. Hier drei Beispiele:

1. Worin besteht die ganzheitliche Idee? Was ist der höhere Sinn und Zweck? Lasst es uns einfach ausdrücken: Am Anfang steht eine Idee. Bevor ein öffentlicher Ort zum Leben erweckt wird, gibt es meist eine ganzheitliche, höhere Idee, der man sich verpflichtet fühlt. Diese Idee zu definieren, ist entscheidend, da sie die ersten Leitlinien und Perspektiven für den kommenden Prozess liefert. Legen Sie Ihr Ziel fest und seien Sie dann fest entschlossen, gemeinsam an dieses Ziel zu gelangen.

2. Mit wem arbeiten wir zusammen? Die Organisation, der Sie angehören, Ihre Mitarbeiter, Ihre Mitbewohner, Ihr sozialer Kontext – sie alle haben Einfluss auf ihr grundlegendes Potential. Seien Sie sich also bewusst, mit wem Sie zusammenarbeiten, wer um Sie herum arbeitet, wen Sie beeinflussen, wer von Ihnen abhängig ist. Es gilt zu wissen, wer Sie sind. Ihr Netzwerk ist Ihr Werkzeugkasten.

8. Wie beziehen wir Menschen ein? Wie Sie wissen, kann nur persönliches Erlebnis einen echten Bezug zu Ihrem jeweiligen Ort schaffen. Dazu müssen Sie Ihre Einrichtung gastfreundlich, sichtbar, zugänglich, nutzbar, sicher, komfortabel, adaptiv und flexibel gestalten. Eine ziemlich lange Liste – aber die Mühe wert, da nur ein positives Nutzererlebnis in der Lage ist, eine dauerhafte Transformation Ihrer Einrichtung zu bewirken.

PROGRAMMATISCHES DESIGN

Ein öffentlicher Dritter Ort erfordert wesentlich mehr, als nur Einrichtungen für Aktivitäten zu schaffen. Tatsächlich steht das eher am Ende des Entwurfsprozesses. Man muss erst einmal ausreichend Wissen gesammelt haben, bevor man über konkrete und praktische Aspekte sprechen kann. Sich aller Zutaten bewusst zu sein, die in den Flügeln des Schmetterlings dargestellt sind, schafft die Grundlage für die Vision des Projekts. Es hilft Ihnen, an Ihrer Grundidee weiter festzuhalten, auch wenn sich ihr Schmetterling – um die Metapher fortzuführen – in einem Frühstadium der „Kokonierung“ befindet, wo Profis aus den jeweiligen Bereichen in der Regel Ihr Projekt kapern und die Dinge selbst in die Hand nehmen. Wenn man nicht mit einer klaren Vision bewaffnet ist, kann der Schmetterling ganz anders ausfallen als erwartet. Oder schlimmer noch, es könnte ihm ein Flügel fehlen.

Ich arbeite derzeit an meinem Modell „The Butterfly Principles of Design for Programmability“ (zu dt.: „Die Schmetterlingsprinzipien des programmatischen Designs“), um eine einfache Werkzeugpalette zur Verfügung zu stellen, mit Hilfe derer sich die Zutaten für gesunde und lebendige öffentliche Räume ganz leicht näher definieren lassen.

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