Maslows Bedürfnishierarchie

Library Design 14 Aug 2019

Wir haben unsere Kunden zur veränderten Raumnutzung infolge unserer Umgestaltungsmaßnahmen befragt. Die Resultate zeigten, dass Bibliotheken tatsächlich für alle Bereiche der Maslow-Pyramide relevant sind.

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Bibliotheken haben sich bei weitem als die am besten geeigneten Einrichtungen zur Aufbewahrung von Büchern erwiesen, mit prächtigen Exemplaren in ihren Arsenalen, die denjenigen, die Zugang zu der jeweiligen Institution haben, zur Ansicht oder zum Verleih zur Verfügung stehen. Ihr Beitrag zu den höheren Ebenen der Maslow-Pyramide, die auch als Maslows Bedürfnishierarchie bekannt ist, ist seit jeher anerkannt, da Bibliotheken es den Menschen stets ermöglichten, sich selbst zu verwirklichen und ein Gefühl von Wertschätzung zu kultivieren. Mit dem Aufkommen von Internet und universell verfügbarem Wissen, hat sich die institutionelle Rolle der Bibliothek jedoch zu verändern begonnen und ist etwas aus der Mode gekommen. Die Menschen verlassen sich nicht mehr auf Bibliotheken zur Selbstverwirklichung, sie genießen Zugang zu Wissen über ihre Telefone.
Einige der Kulturinstitute, die Bibliotheken bekanntermaßen auch sind, sind durchaus offen für Veränderungen. Mit dem Maslow-Modell im Hinterkopf verlagern sie ihren Schwerpunkt hin zu elementareren Bedürfnissen und nehmen eine neue Schlüsselrolle in der Gesellschaft von heute ein. Als sowohl physischer als auch sozialer Ort können sie eine andere Ebene der Maslow-Pyramide ausfüllen – nämlich den Menschen ein Gefühl der Zugehörigkeit vermitteln.

Nehmen Bibliotheken also eine sozialere Rolle in der modernen Gesellschaft ein?

Wir glauben, dass das der Fall ist. Um dies zu untermauern, haben wir im Frühjahr 2019 20 Bibliotheken kontaktiert, mit denen wir in den letzten drei Jahren zusammengearbeitet haben. Diese Projekte in Norwegen, Deutschland und den Niederlanden haben große materielle Veränderungsmaßnahmen erfahren und sind entweder Neukonzeptionen, Renovierungen oder Umbauten bestehender Bibliotheken. Wir haben ihnen einen Fragebogen zugesandt mit Fragen wie: „Wenn Sie sich die aktuellen Besucher Ihrer Bibliothek anschauen, sehen Sie eine steigende Anzahl von Besuchern, die ausschließlich kommen, um sich in Ihrer Bibliothek aufzuhalten?“ Oder: „Sind Ihre derzeitigen Besucher mehr oder weniger mit der Bibliothek und ihren verfügbaren Aktivitäten beschäftigt als vor der (Wieder-)Eröffnung?“ Mit anderen Worten: Wir wollten herausfinden, was die Menschen heutzutage in einer Bibliothek eigentlich tun.

Sie fragen sich vielleicht, warum wir als Dienstleister dies wissen möchten. Für uns ist es wesentlich, zu verstehen, welche Auswirkungen unsere Arbeit auf Bibliotheken, Organisationen, Gemeinden und Einzelpersonen hat. Es ist wichtig, sich der Rolle von Bibliotheken in der Gesellschaft und ihren möglichen Auswirkungen auf persönliche Schicksale bewusst zu sein. Fakten dienen daher als solide Grundlage, die uns darauf vertrauen lassen, dass wir das Richtige tun. Wir bei aatvos glauben fest daran, dass Bibliotheken diesen Wandel in ihrer sozialen Rolle durch die Vermittlung von Zugehörigkeitsgefühl aktiv gestalten sollten.
Wenn sich unsere Annahme als wahr erweist, ist dies ein großer Schritt in der Schaffung neuer Dritter Orte. Wir werden dann sehen, dass wir Orte schaffen können, an denen sich Menschen willkommen fühlen und dass der Bedarf an diesen Orten wächst. Wir können einer ganzen Branche dabei helfen, in einer Gesellschaft mit abnehmendem Informationsbedarf nach einer neuen Rolle zu suchen und sich durch die Neuerfindung von Institutionen wie Bibliotheken neu zu positionieren. Durch intelligente Programmgestaltung und der aktiven Gestaltung des Nutzererlebnisses könnten wir in der Lage sein, eine Art sozialen Zement zu schaffen, der Menschen, Organisationen und (Klein-)unternehmer miteinander verbindet und ihnen eine Daseinsberechtigung gibt.

Die Ergebnisse sind vielversprechend

Die Ergebnisse des Fragebogens zeigen uns Zahlen, die optimistisch stimmen. Zum Beispiel bemerken 73% der Befragten, dass nach der Eröffnung mehr Menschen ihre Institution besuchen, allein um sich dort aufzuhalten. Das bedeutet, dass die Institution neue Besucher anzieht, die die Bibliothek in ihrer früheren Form überhaupt nicht besucht haben. In einigen Bibliotheken stieg die Besucherzahl um beispiellose 400%. 91% der Bibliotheken verzeichneten einen Anstieg der Besucherzahlen, während in 55% dieser Fälle die Bibliothek noch dazu „vielfältiger“ geworden ist. Außerdem mischen sich die verschiedenen soziale Gruppen “ häufiger als zuvor“ (91%).

Wir haben auch nach dem Aspekt der Programmgestaltung gefragt. Trotz der Tatsache, dass 64% der Besucher allein in die Bibliothek kommen, sind alle von ihnen „etwas mehr“ (36%) bis „viel mehr“ (64%) an den Bibliotheksaktivitäten beteiligt, die in 82% der Fälle von den Besuchern selbst organisiert werden. Ein großartiges Beispiel: Die in Oslo ansässige Bibliothek Deichman Tøyen bietet erstaunliche 82 Aktivitäten pro Monat, die allesamt von ihren Besuchern selbst organisiert werden. Das sind fast 1.000 Veranstaltungen pro Jahr – auf einer Fläche von nur 600 Quadratmetern. Besucher werden so tatsächlich zu Ressourcen, wie der dänische Architekt Ivar Moltke einmal sagte.

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Unveränderte Bücherzahlen bei gleichzeitig mehr Besuchern

Obwohl die Besucherzahlen deutlich angestiegen sind, blieb die Gesamtzahl der Bücherausleihen hinter diesen Zahlen zurück. Das deutet darauf hin, dass die neuen Besucher nicht unbedingt um der Bücher willen kommen. Sie sind an ganz anderen Dingen interessiert. In dem neuen Veranstaltungsort mischen sich die Menschen, nehmen an mehr Aktivitäten teil und organisieren ihre eigenen. Möglicherweise inspiriert das Konzept „Design for Programmability“ Menschen zur stärkeren Teilhabe und Identifikation mit dem jeweiligen Ort.

Sinnvoll genutzte Zeit als Zeichen der Zugehörigkeit

In den neuen Bibliotheken stieg die durchschnittliche Aufenthaltsdauer nach dem (Wieder-)Eröffnungstag. Fast 72% der Besucher blieben zwischen 30 Minuten und einer Stunde. Das lässt darauf schließen, dass sich die Menschen willkommen fühlen und ihren Aufenthalt genießen. Sie fühlen sich zugehörig.

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Gewinnung neuer Gruppen

Bibliotheken mit einer potentiell neuen sozialen Rolle locken in der Regel auch die schwierigsten Zielgruppen an Ihren Veranstaltungsort und ermöglichen es diesen Gruppen, ihren Aufenthalt zu genießen. Die teilnehmenden Bibliotheken verzeichneten einen Anstieg der Besucher im Alter von 12 bis 18 Jahren und 18 bis 24 Jahren. Sie scheinen sich unerwartet gut mit dem Anstieg der älteren Besucher (60+) zu vertragen.

Fazit

Obwohl diese inoffizielle Untersuchung auf einer kleinen Auswahl von Bibliotheken basierte, zeigt das Ergebnis dennoch einen deutlichen Wandel hin zu einer sozialeren Rolle der Bibliothek in der modernen Gesellschaft. Nach einer Umgestaltung hin zu einem Dritten Ort finden mehr Besucher den Weg in die Bibliothek, genießen den Aufenthalt in der Institution und nehmen aktiv an Programmkomponenten teil.
Wir können sogar vorsichtig den Schluss ziehen, dass eine zu einem Dritten Ort umgestaltete Bibliothek durch das Angebot einer Art von Zuhause und bestimmten, spezifischen Erfahrungen sowie eines Zugehörigkeitsgefühls für die Besucher mehrere Ebenen der Maslow-Pyramide berührt. Die Erfüllung dieser grundlegenden menschlichen Bedürfnisse verstärkt die soziale Relevanz von Bibliotheken und beleuchtet deren Auswirkungen auf die Gesellschaft.

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Anfang 2020 wird aatvos den Fragebogen erneut an eine größere Gruppe von Bibliotheken versenden, auch an traditionelle Institutionen.

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