Interaktive designte Pflegeheime

Third Places 26 Jan 2017

Menschen in Pflegeheimen werden oft vergessen, aber wie kann man ihnen helfen, wenn sie die Fähigkeit zum Sprechen verloren haben? Bei der Neugestaltung eines Pflegeheims in Noorderbrug, Groningen, war ich mit einer ungewöhnlichen Herausforderung konfrontiert. Die Bewohner konnten nicht sprechen. Ihre Sprachfähigkeit war entweder stark beeinträchtigt oder durch einen Unfall bzw. eine Krankheit ganz verschwunden.

Sag mir nicht, was du willst, zeig es mir.

Also konnte ich die Bewohner der Pflegeheime nicht einfach fragen, was ihnen wichtig war. Es war klar, dass hier ein neuer Ansatz gefragt war. Zusammen mit Peter Mensingh habe ich eine interaktive Methode entwickelt, mit der die Bewohner uns zeigen konnten, was sie sich wünschten. Wir begannen damit, Bilder zu zeigen und sie um eine Reaktion zu bitten. Wenn Sie jedoch jemandem ein Bild von einem Interieur zeigen, werden sowohl Funktionalität als auch Atmosphäre dargestellt. Diese Aspekte mussten getrennt werden. Die Trennung wurde durch die Entwicklung von zwei Kartensets erreicht. Das erste Set bestand aus Symbolen, die eine Funktion darstellen – wie z.B. eine Tasse Kaffee, die den Konsum von Kaffee repräsentiert, oder ein Buch als Sinnbild für eine Bibliothek.

It was clear that a fresh approach was necessary.

Aat Vos Aat Vos Creative Guide

Das zweite Kartenset stellte verschiedene Atmosphären dar, wie zum Beispiel die einer Bar, eines Wohnzimmers oder eines Strandes. Wir baten die Bewohner, 12 dieser 60-70 Karten auszuwählen, zusammen mit einer beliebigen Art von Funktion, die sie sich für ihren Gemeinschaftsraum wünschten. Wir haben diesen Prozess mit unterschiedlichen Nutzergruppen wiederholt, um Vergleiche ziehen zu können. Erstaunlich war, dass 50% der Karten von allen Gruppen ausgewählt wurden, was uns ermöglichte, einige universelle Wünsche festzuhalten. Wir hatten eine visuelle, demokratische Abstimmungsmethode entwickelt, die uns schließlich zu einem klaren Konsens führte.

Atmosphäre und ihre Konsequenzen

Dann war die Atmosphäre an der Reihe. Wir zeigten den Teilnehmern 80 Karten und baten die Leute, sich nur auf die Atmosphäre zu konzentrieren, sei es eine Bar, eine Naturszene, eine Sanitäranlage oder modernes Interieur. Die Funktionalitäten waren bereits ausgewählt; die Wahl der Atmosphäre würde dem Prozess den letzten Schliff verpassen. Wieder einmal gab es reichlich Gemeinsamkeiten. Die Bewohner von Noorderbrug erreichten einen Rekord von 80-90% Übereinstimmung bei der Auswahl der Karten. Sie alle wählten Naturkarten mit blauen, lila und rosa Farben aus.

Wir beschlossen, einen Farbpsychologen hinzuzuziehen, um die Ergebnisse genauer unter die Lupe zu nehmen und uns zu erklären, was diese Gemeinsamkeiten bedeuteten. Es stellte sich heraus, dass dies alles denkende Farben waren, die das Geistige betonen; die Menschen suchten nach geistiger Ruhe und Frieden. So schufen wir ein Interieur mit einem Himmel, der von einem helleren Osten graduell in einen dunkler schattierten Westen übergeht. Mit unserer visuellen, greifbaren Methode wurden die Ergebnisse der Workshops also zum Rückgrat des finalen Designs. Wir wollten den Menschen das geben, was sie wirklich wollten, und ihnen außerdem eine Stimme verleihen.

Fotografie: Marco Heyda, Tapetentexturen von CreaBea