Warum bibliotheken ein Dritter Ort für alle werden sollten

Warum bibliotheken ein Dritter Ort für alle werden sollten

16 Feb 2017

Vor einem Jahr war ich in Oslo mit der U-Bahn unterwegs und lauschte ein Gespräch einiger Mädchen. Sie waren glücklich und aufgeregt, weil sie in Biblo Tøyen gehen wollten.  Da ich auch auf dem Weg dorthin war,  beschloss ihnen zu folgen. Überraschenderweise  standen vierzig Kinder in einer Schlange, die darauf warteten in die Bibliothek zu gehen. Ihre Begeisterung hat mich tief berührt: Wir hatten es geschafft,  dass die Biblo Tøyen eine bedeutende Rolle in der Stadt spielte. Doch was hat diese Bibliothek so besonders gemacht?

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Warum bibliotheken ein Dritter Ort für alle werden sollten

The following text is based on the presentation I gave at the German Ekz bibliotheksservice on February 16, 2017.

Das Wort “Bibliothek” stammt aus verschiedenen Rubriken. Bibliothek ist sowohl ein Gebäude als auch eine Sammlung. Eine Sammlung von Bücher zum Beispiel. Mehr noch ist es eine Institution. Für und von Menschen. Wenn wir also von einer Bibliothek sprechen, von was  sprechen wir dann eigentlich? Vielleicht von einem dritten Ort?

Dritte Orte gehören zu unserem alltäglichen Leben, genauso tun es aber auch die ersten und zweiten Orte. Alle Orte haben eins gemeinsam: man fühlt sich wohl, sicher und man ist irgendwie bekannt. Der erste Ort ist meistens mit unserer Wohnung oder unserem Haus verbunden. Zweite Orte hingegen sind eher Umgebungen, die man mit Kollegen teilt wie am Arbeitsplatz. Es gibt aber auch sogenannte dritte Orte, in denen wir uns genauso wohl fühlen wie in den vorherigen, dennoch unterscheidet sich der dritte Ort von der Atmosphäre und der Ausstattung her.

Dritte Orte haben sich entwickelt und sie sind präsenter als eh und jeh. Auch Starbucks gehört dazu und bekommt immer mehr Wert in unserer Gesellschaft. Bei Starbucks sagt man schon: „we’re not in the coffee business serving people, we’re in the people’s business serving coffee”. Das erklärt den außerordentlichen Erfolg dieser Geschäfte. Aber genau das ist das Problem. Nicht alle Leute sind in der Lage 4,80 Euro  für eine Tasse Kaffee zu bezahlen. Und nun? Die Menschen ohne Geld bleiben zu Hause, wo es bequem ist und wo es Internet gibt. Die Folge: der öffentliche Raum entwickelt sich zu einem Ort, den sich nur Menschen mit einem bestimmten Lebenseinkommen leisten können.

Generell gibt es fünf unterschiedliche Entwicklungen, die alle einen wesentlichen Einfluss auf die Art und Weise haben, in der wir unsere Städte gebrauchen und erleben. Fünf Pfeiler, die alle unseren Blick auf Bibliotheken beeinflussen müssen:

Menschen

Der erste Pfeiler wird durch die Menschen selbst repräsentiert. Die Zahl der Scheidungen wächst und ebenso wächst die Anzahl alleinerziehender Eltern. Die Nachfrage für Wohnungen steigt, die Häuser werden jedoch kleiner. Die Chance steigt also, dass die Menschen außerhalb ihrer Wohnung den öffentlichen Raum aufsuchen werden.

Unsere dritte Orte sollen fair, informell, inspirierend und persönlich sein.

Aat Vos

Creative Guide

Orte

Orte entsprechen den zweiten Pfeiler. Städte und Dörfer konkurrieren um die Gunst der Menschen. Unsere Umgebung ist zunehmend ein Verlockungsmittel. Es werden neue Gebäude gebaut, aber auch der historischer Kontext spielt eine Rolle. Ehemalige Kokereien werden nicht vernichtet, aber dafür anderweitig genutzt.

Erlebnis

Der dritte Pfeiler kann mit Erlebnis beschrieben werden. Wir leben mittlerweile in einer Erlebniswirtschaft und kaufen laut Joseph Pine und James Gilmore keine Produkte „sondern Erinnerungen, Erfahrungen und Emotionen“. Geschäfte und Laden sind auf dem Überlebenstrip und im Internet Zeitalter transformieren sie sich in Erlebniswelten. Überhaupt kein Problem wenn man Geld hat, aber für die nicht so glücklichen Leute, wird es immer schwerer einen schönen kostenlosen Ort im öffentlichen Raum zu finden.

Produkt

Die Art und Weise unserer Produktion ändert sich genauso, da wir immer mehr selbst machen. Wir sind ungeduldig und wollen nicht mehr auf unsere Produkte lange warten. Im Zeitalter der Bedarfsgesteuerten Fertigung angekommen, haben wir die Mittel und Informationen mehr selbst zu produzieren als je vorher. Dazu brauchen wir Orte und Stellen, die uns uns das ermöglichen.

Zukunft

Schließlich gibt es noch die Zukunft. Junge Menschen lernen schon eine ganz interessante Welt kennen, bevor sie das Haus verlassen. Ihre Welt wird nicht mehr größer und ihre Erwartungen verändern sich. Neue Kunden bringen neue Erwartungen, neue Techniken bringen neue Chancen mit in den öffentlichen Raum. Wenn wir die nicht ergreifen, verlieren wir den Anschluss mit unserer nächsten Generation.

Informell

Also, was ist unsere Aufgabe? Wir sollen dritten Orte für alle machen, die besser sind als die Läden und Geschäfte der Stadt, eben besser sein als Starbucks. Unsere dritte Orte sollen fair, informell, inspirierend und persönlich sein. Sie sollen makerspaces sein, Erlebnisse und viele neue digitale Techniken bieten. Mit diesen Zutaten bekommt man dritte Orte für alle Einwohner unserer Städte.

Man bekommt Orte, wofür Leute ihre Heimat verlassen. Treffpunkten für unerwartete Begegnungen. Das werden Orte sein, die das Selbstvertrauen erhöhen, worauf Menschen stolz sein können. Sich geschätzt fühlen. Wo Menschen wirklich wichtig sind. Wo man allein hingehen möchte. Dritte Orte für alle, als ein soziales Grundgerüst der Stadt.

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